Daseinsfreude Blog

Dein Selbstwertgefühl

und wie es Dein Leben und die Welt beeinflusst


Dein Selbstwertgefühl hat einen enormen Einfluss darauf, wie Du das Leben und die Welt erlebst. Es beeinflusst nicht nur die eigene Gesundheit und die eigene innere Haltung, sondern auch größere, gesellschaftliche Themen wie Umweltschutz und Nachhaltigkeit.
Warum das so ist, und wie alle dies Themen zusammenhängen habe ich (DG) von Christina Christiansen (CC) erfahren. Im Interview, das ich Anfang Juli 2022 mit ihr geführt habe, hat Christina viel von ihrem Wissen, ihren Erfahrungen und Erkenntnissen geteilt.
Ein sehr spannendes Gespräch, das hier auf meinem Blog in diesem Artikel schriftlich wiedergegeben ist. Viel Freude beim Lesen!


Welchen Selbstwert gibst Du Dir?


DG Hallo Christina, ich freue mich, dass wir heute über das Thema Selbstwert und Selbstwertgefühl sprechen. Vielleicht magst du mir am Anfang einfach mal sagen, wie du das Thema Selbstwert definierst?

CC Selbstwert bedeutet für mich: der Wert, den wir uns selbst geben. Das heißt, wir können uns selbst einen Wert geben, der hoch ist oder einen Wert, der niedrig ist. Das passiert in der Regel nicht bewusst, sondern das läuft unbewusst ab, und wir drücken das durch alle möglichen Verhaltensweisen aus.


DG Wie erkenne ich denn wie sich jemand selbst bewertet? Beziehungsweise welchen Selbstwert die Person sich gibt?

CC Das zeigt sich in der Regel im Umgang mit diesem Menschen. Zuallererst merke ich das an der Art der Ausstrahlung. Da merkt man direkt: ist da eine gewisse innere Ruhe? Ist die Person reaktiv oder proaktiv ? Sind alle anderen schuld? Ist es ein Macher oder eine Macherin? Ist der Fokus auf dem Problem oder auf der Lösung? Also wenn da z.B. eine rote Ampel ist, sagt sie dann „Immer wenn ich an der Ampel bin, ist es rot! Scheiß Ampel!“ oder eher „Toll, die Ampel ist rot, jetzt habe ich noch mehr Zeit um meinen Lieblings-Podcast anzuhören!“? Das sind dann schon so Verhaltensweisen, an denen ich erkennen kann, welchen Wert gibt die Person sich selbst.
Denn das, was wir in der Außenwelt sehen oder zeigen, spiegelt immer die innere Welt wider. Wenn dieser Mensch alles was ihm widerfährt als Hindernis oder Hürde wahrnimmt, dann nimmt er sich selbst auch so wahr und gibt sich damit einen geringen Wert.


Selbstwert und Selbstbewusstsein


DG Und wie kann ich bei mir selbst erkennen, ob ich mir möglicherweise einen geringen Selbstwert gebe?

CC Also um den eigenen Selbstwert erkennen zu können ist Selbstbewusstsein notwendig. Und das ist ein Wort, das sehr inflationär verwendet wird. Ich schau mir immer gern an, was mit einem Wort gemeint ist: wir sind uns selbst bewusst. Das heißt, wir nehmen bewusst wahr, was wir da tun, was wir denken und eben auch, warum wir uns so verhalten. Wir merken, es kommt ein Impuls von außen, und wir merken, da passiert was mit uns.
Und dann gehe ich einen Schritt zurück, und schaue erstmal „Was ist denn da los?“, und reagiere erst dann. Das wäre dann "Ich bin mir selbst bewusst".
Und erst wenn ich mir selbst bewusst bin, kann ich meinen eigenen Wert erkennen. Denn sonst bin ich impulsiv, ich reagiere, und bin eigentlich nur wie eine Art Roboter. Ich bin in meiner Maschine, die ich mir in den Jahren und Jahrzehnten aufgebaut habe und ich reagiere immer automatisch und auf die gleiche Art und Weise. Und komme da eigentlich gar nicht raus. Aber wenn ich einen gewissen Punkt an Selbstbewusstsein erreicht habe, dann erkenne ich zum Beispiel, dass ich immer wieder die gleichen Gedanken denke, und dass ich immer wieder an den gleichen Hürden scheitere.

Dann merke ich, dass Menschen etwas zu mir sagen, was im ersten Augenblick erstmal neutral ist, aber ich reagiere in irgendeiner Form emotional. Zum Beispiel jemand kommt und sagt „Was machst du denn da?“. Dieses „Was machst du denn da“ ist vielleicht erstmal nur eine Frage, aber man selbst reagiert mit Traurigkeit, Einschüchterung, Ablehnung oder Aggression. Und wenn mir das bewusst wird, kann ich selber schauen, warum bei mir eigentlich so was passiert.
Denn wenn jemand kommt und sagt „Was machst du denn da!?“, und ich reagiere eingeschüchtert oder fühle mich angegriffen, dann ist das ein Zeichen für einen geringen Selbstwert; ich nehme das persönlich, und wenn jemand was sagt, dann sehe ich das als Ablehnung meiner Person, meiner Identität.
Wohingegen, wenn ich einen hohen Selbstwert habe, kann da kommen wer will und sagen „Was machst du denn da!?“, dann interessiert mich das gar nicht, selbst wenn er sagt „Das ist ja total bescheuert, was du da machst!“



Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein
Urheber: © zonecreative/123rf.com

DG Macht total Sinn, wie Du das schilderst. Viele von uns laufen auf Automatismus, das ging mir selbst auch lange Zeit so.
Christina, du hast ja viel mit Menschen zu tun; gibt's denn nach deiner Erfahrung gewisse Auslöser, die dafür sorgen, dass man sich „zwangsläufig“ mit dem Thema Selbstwert beschäftigen muss? Und wenn ja, welche sind das?

CC Die gibt es definitiv. Den meisten Menschen wird ihr geringer Selbstwert eigentlich erst wirklich dann bewusst, wenn was Schlimmes passiert. Bei mir war es beispielsweise, dass ich früher ein Alkoholproblem hatte. Und irgendwann sind die Exzesse zu krass geworden, und das hat dazu geführt, dass ich irgendwann angefangen habe mich mit mir selbst zu beschäftigen. Weil ich durch so Vorhaben wie „Jetzt hörst halt einfach auf mit trinken“ nicht raus gekommen bin.
Bei anderen ist das zum Beispiel so was wie die Diagnose Diabetes aufgrund von Übergewicht, oder andere Erkrankungen, die mit Übergewicht einhergehen. Was bei mir also der Alkohol war, ist bei anderen vielleicht das Essen, mit dem versucht wird, den geringen Selbstwert zu kompensieren. Es kann auch Konsum sein, oder das Konto ist immer leer, vielleicht auch die Spielsucht. Also egal welche Form von Süchten oder Abhängigkeiten, die Bandbreite ist ja riesig.
Also tatsächlich sind es oft erst solche krassen Punkte.
Vielleicht ist es auch der Verlust eines geliebten Menschen - ob das jetzt durch Tod ist, oder durch Trennung. Das ist auch oft ein Punkt, wo man ins Umdenken kommt, und sieht, dass alle anderen versuchten Wege nicht funktionierten wie "Ich trinke jetzt nicht mehr" oder "ich kaufe jetzt nichts mehr" oder "ich esse keinen Schokoriegel mehr". Natürlich wissen wir, dass wir das nicht sollten, wir sind ja alle nicht blöd. Aber da steckt man dann so fest drin, dass man eben nicht raus kommt. Und erst das schlimme Geschehen/Erlebnis führt dazu, dass der Mensch dann sagt „Okay, es muss einen anderen Weg geben“, und der führt dann oft zum Thema Selbstwert.



Wer hilft bei mangelndem Selbstwertgefühl?


DG Wenn jemand dann für sich erkannt hat, dass er oder sie Unterstützung braucht, und dass das Thema möglicherweise der Selbstwert ist, an wen wendet er oder sie sich dann? Geht man zum Psychologen? Oder zu dir, oder zu mir, oder wo ist die richtige Adresse?

CC Das ist ganz unterschiedlich. Es gibt Menschen, die können sich "einfach" hinsetzen und ihre Gedanken aufschreiben, ihre Handlungen selbst reflektieren, und dadurch dann schon einiges erkennen. Es gibt Menschen, bei denen das durchaus funktioniert.
Es gibt aber genauso auch Menschen, bei denen das überhaupt nicht möglich ist. Die eben zu tief in ihrer Opferrolle fest stecken - denn gerade darum geht es ja oft auch: wenn wir uns mit unserem Selbstwert beschäftigen, müssen wir auch den Mut haben, genau hinzusehen. Und anzuerkennen, dass ich das Gefühl habe „ich bin nichts wert“. Das überhaupt mal zu erkennen, und auch auszusprechen, dafür braucht es schon mal viel Mut, und davor haben viele Menschen Angst. Und dafür und dabei brauchen sie definitiv Unterstützung.

Es gibt Krankheitsbilder, für die Psychologen definitiv geeignet sind. Wenn wir zum Beispiel in den Bereich Traumatherapie gehen, haben Psychologen sicher die besten Tools an der Hand.
Aber nicht alle die einen geringen Selbstwert haben, haben auch ein schlimmes Trauma. Es gibt z.B. vielleicht "nur" Mobbing. Dann ist Coaching oder Mentoring definitiv der richtige Ansatz. Weil wir hier auf einem Weg geführt werden, der leicht ist, und eben anders ist als „Ich sitze jetzt beim Psychologen, habe ein medizinisches Problem, und das muss ich jetzt lösen“. Im Coaching oder Mentoring ist es eine „leichtere Variante“; wir unterhalten uns mit einem Menschen auf Augenhöhe. Da ist dann kein hochstudierter Psychologe, bei dem man vielleicht Mühe hat, sich einfach zu öffnen. Sondern da ist ein Coach oder eine Mentorin, die hat vielleicht ähnliches durchgemacht wie wir.
(Was ich (DG) so durchgemacht habe, erfährst Du hier: Warum "Daseinsfreu.de"? Die Geschichte dahinter)
Und dieser Mensch begegnet uns auf einer ganz anderen Ebene, nämlich: „Ich helfe dir zu sehen, wer du bist“ und nicht „Ich habe hier die Lösung und die machst du jetzt“.
Weil das Selbstwertgefühl ist nichts, was jemand einem von außen geben kann. Das müssen wir, wie das Wort schon sagt, SELBST FÜHLEN. Und es dauert, das aufzubauen. Mit Übungen und Anwendungen im Alltag, immer wieder, immer wieder, immer wieder. Es ist ein langer, langer Prozess.
Veränderung braucht Zeit, das wissen wir durch Untersuchungen der Neuroplastizität im Gehirn. Crashkurs-Diät und Schnell-Coaching funktionieren nicht. „In drei Wochen zu mehr Selbstbewusstsein“, das funktioniert einfach nicht. MEHR Selbstbewusstsein in drei Wochen natürlich schon, also ein bisschen mehr als vorher, aber halt oft nicht die gravierende Veränderung.

Und da sehe ich Coaching und Mentoring als den richtigen Ansatz. Und was für eine Art von Coaching oder Mentoring, das ist dann wieder ganz individuell. Jeder spricht auf etwas anderes an. Es gibt so tolle Formate; Gesang, Fotografie, Tiere, Tanz, andere künstlerische Ausdrucksformen, Meditation, Gespräche. Jeder muss für sich schauen: was ist für mich das geeignete? Ich persönlich hätte damals jemanden gebraucht, der sich mir gegenübersetzt, und mit mir ganz klar und direkt tief in die Wunden reingeht. Das ist das, was MIR damals geholfen hätte. Aber das ist nicht für jeden passend. Manch einer sagt, sowas ist mir zu intensiv, ich habe Angst davor, ich brauch es sachter, muss langsam rangeführt werden.


Selbstwert
Urheber: © melpomen/123rf.com

Und da muss man einfach gucken: wenn ich jemanden kennenlerne, oder erstmal nur beobachte (zum Beispiel im Internet, oder auf Social Media), dann einfach schauen: was macht das mit mir? Zieht es mich an, triggert es etwas in mir? Was? Und dann auf das Bauchgefühl hören, und entscheiden, was für mich passt.


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Wie Dein Selbstwertgefühl Dich und Deine Umwelt beeinflusst


DG In deiner eigenen Arbeit spielt das Thema Selbstwert ja auch eine ganz ganz große Rolle. Du gehst ja soweit zu sagen, dass das Thema Umweltverschmutzung und die großen globalen Themen auch viel zu tun haben mit dem Selbstwert des Einzelnen. Wie bist du denn darauf gekommen? Magst du dazu ein bisschen was erzählen? Also wo ist da der Zusammenhang? Das ist ja auf den ersten Blick nicht direkt erkennbar...

CC Ja, das ist richtig. Also erstmal, wie ich darauf gekommen bin: Ich habe VWL studiert und mich dort vor allem auf Verhaltensökonomik und den Unterbereich Umweltwissenschaften spezialisiert.  Und da geht es vor allen Dingen darum, wie verhalte ich mich, und dann speziell im Bezug auf die Umwelt. Also warum fahre ich zum Beispiel ein Elektroauto? Das wird da in Studien untersucht, und dabei kommen ganz interessante Sachen raus. Nämlich zum Beispiel, dass die Leute das in erster Linie nicht tun, um etwas für die Umwelt zu tun, sondern dass das eigene Ansehen und Wohlbefinden im Vordergrund steht. So! Und ich fand das super spannend, und bin da immer tiefer eingestiegen.

In den ganzen Studien gibt es eine Quintessenz: wenn es ums Verhalten geht, ist der Hintergrund oder die Motivation unseres Verhaltens immer höheres Glück, höheres Wohlbefinden, höhere Zufriedenheit, mehr Geld, mehr Ansehen, erfülltere Partnerschaft. Also das sind unsere Bedürfnisse, die gestillt werden sollen, und das verfolgen wir durch unsere Handlungen. Und das ist dann vielleicht der Kauf eines E-Autos, oder vielleicht auch vegetarische Ernährung, was jeweils als Vehikel genommen wird. Dabei geht es aber nicht um das E-Auto, und auch nicht darum, wie man sich ernährt, sondern es ist immer nur das Vehikel, um das wirkliche Ziel zu erreichen.

Wenn wir dann mal gucken, auf all die Problemen die wir so haben, also zum Beispiel beim Thema Gesundheit: viele Menschen bewegen sich nicht. Sie sitzen den ganzen Tag vom Computer. Dann fahren sie nach Hause von der Arbeit und legen sich auf die Couch. Am Wochenende legen sie sich in den Liegestuhl, und das nennen sie dann Erholung. Im Urlaub legen sie sich an den Strand, also Bewegung findet da einfach nicht statt. Das ist so, weil - und das erkennen wir eben in den besagten Studien – sich die Menschen selbst nicht so wichtig nehmen. Also ihnen ist es dann momentan wichtig, sich zu entspannen, aber sie denken nicht darüber nach, dass, wenn sie sich immer nur schonen, der Körper die Muskeln abbaut. Und wenn mein Körper die Muskeln abbaut, heißt das aber auch, dass es so ein gewissen Kipppunkt in meinem Leben mit meinem Körper gibt. Wenn ich den erreiche, dann kann ich eben nicht mehr aufstehen, und es muss jemand kommen und mir helfen mich aus dem Sessel hochzuheben. Und das ist dann keine Folge des Alterns sondern eine Folge der fehlenden Bewegung.
Wenn ich aber im Umkehrschluss meiner Gesundheit und meinem Wohlbefinden, meinem Glück und meiner Zufriedenheit einfach den höchsten Wert gebe, bei allem was ich tue, dann weiß ich: Wenn ich mich heute nicht bewege, muss später jemand kommen und mich hochheben. Deswegen hebe ich mich jetzt selbst hoch, damit ich das auch später noch kann. Das ist die eine Linie.
Und die andere Linie ist, wie vorhin schon gesagt, die Außenwelt ist immer nur ein Spiegel unserer inneren Welt. Das heißt, die Wertschätzung, die wir uns selbst gegenüber haben, die tragen wir nach außen. Sowohl die hohe, als auch die niedrige Wertschätzung.
Wenn wir also selbst offen dafür sind, Neues zu erfahren und uns zu verändern, dann begegnen wir auch anderen Menschen offen, und zwar ganz egal welches Geschlecht, welches Alter, welche Religion sie haben. Das heißt, die Offenheit, die wir uns selbst gegenüber haben, haben wir auch anderen gegenüber.



Selbstwertgefühl
Urheber: © martinan/123rf.com


Das sehen wir in allen Bereichen. Und da kommt jetzt die Umwelt ins Spiel, z.B beim Thema Konsum. Wenn ich jetzt schlechte Laune habe, dann kann ich mich entweder mit dieser schlechten Laune befassen, ich kann verschiedene Möglichkeiten finden, diese schlechte Laune „abzubauen“, also vielleicht eine Meditation, Spazierengehen, Sport, tief durchatmen. Oder ich kann in den Laden gehen, und was kaufen. Weil ich dann ein Glücksgefühl habe. Und dann hänge ich die Klamotten in den Schrank, und vergesse, dass sie da hängen. Und dann fühle ich mich übermorgen wieder schlecht, und mache das wieder, und wieder, und wieder.
Und deswegen hat Zara 24 Kollektionen im Jahr. Und die Menschen kaufen, und kaufen, und kaufen, und kaufen. Weil sie sich nämlich NICHT mit sich selbst beschäftigen, sondern mit allem anderen. Und dann sagt man immer, die Menschen sind alle so egoistisch, bei denen dreht sich alles um sich selbst. Derweil kaufen Sie deswegen so viel, weil sie damit meinen gut dazustehen. Und genau das ist der Punkt: zu gucken, wie ich da stehe, ist ein Mangel, ist eine Leere, und das gut dastehen ist ein Versuch, von außen diese Leere zu füllen. Da kann ich so viel kaufen, mich mit den tollsten Sachen schmücken, teure Häuser und Autos haben, was auch immer. Aber das Loch in mir das bleibt. Und weil ich in dieses Loch nicht reingucke, und das Selbstwertgefühl von innen nicht aufbaue, das Loch nicht von innen fülle, muss ich immer mehr von außen reingeben.
Deswegen kaufen die Menschen. Sie kaufen, und kaufen, und sie schmeißen weg. Der schlimmste Konsum ist der, der einfach nicht genutzt wird. Und es wird sehr viel nicht genutzt. Wenn ich alle Kleidung, die ich kaufe, tatsächlich tragen würde, dann wäre das toll, und dann könnte ich sagen: du kaufst das und du erfreust dich daran. Aber der Prozess des Erfreuens hört in der Regel auf, wenn ich an der Kasse das Geld bezahlt habe. Dann ist die Sache vorbei.
Auch ich habe meine Schrankleichen, von früher. Und so ist das auch mit dem Essen: wir gehen in den Supermarkt. „Ach, das sieht toll aus“, „Ach, lecker!“, und dann merken wir: wir können das alles gar nicht essen, und dann schmeißen wir es weg. Eben auch, weil wir das nicht wertschätzen.
Wir schätzen das Essen nicht wert, die Kleidung nicht wert, vor allem auch deswegen, weil wir uns selbst nicht wertschätzen. Alles, was wir im Außen tun, kommt von uns Innen.

Selbstwertgefühl stärken? Das kannst Du selbst tun


DG Das klingt total nachvollziehbar, und ist mir nicht fremd, wenn gleich ich das immer eher im persönlichen Bereich gesehen, und nicht auf gesellschaftliche oder gar globale Themen übersetzt habe. Aber klar, wenn das jeder so macht, dann betrifft es alle und damit die ganze Gesellschaft. Total interessant und danke fürs Teilen!
Wenn jetzt jemand merkt, dass er/sie möglicherweise ein Thema mit dem Selbstwert hat, wie kann die Person vorgehen? Also was kann er/sie unternehmen, wo kann sie/er hingehen, wie in die Thematik einsteigen?

CC Da ist mein ganz großer Tipp, so eine Art Tagebuch darüber zu führen, was ich den ganzen Tag mache, und was mir da so für Gedanken kommen. Das heißt, ich mache das nicht um irgendetwas zu analysieren, sondern ich beobachte mich einfach nur, und schreibe mir auf, was habe ich heute den Tag über so gemacht und wie habe ich mich dabei gefühlt. Etwa „eigentlich habe ich mich ganz gut gefühlt, aber da waren so ein, zwei Sachen, die fand ich blöd.“ Und dann schreibe ich mal auf, warum fand ich das denn blöd? Und dann mache ich mir darüber Gedanken, nicht im Sinne von analysieren, sondern ich schreibe nur auf warum ich mich schlecht gefühlt habe. Und wenn ich das dann mal, ich sag mal drei Wochen lang, mache, und mir das danach angucke, wird mir in der Regel schon einiges bewusst.
Da kann ich dann Muster erkennen: hier war ich wütend, weil dieses passiert ist, dort war ich wütend, weil jenes passiert ist...aber eigentlich, wenn ich es genau betrachte ist ja das gleiche passiert, nur auf eine andere Art und Weise. So fange ich an, mir bewusst zu werden, was treibe ich eigentlich den ganzen Tag. Das ist Schritt Nummer eins.
Wir müssen überhaupt erstmal unser Bewusstsein erhöhen.
„Bewusstsein erhöhen“ das klingt immer erstmal so spirituell, aber hier geht es vor allen Dingen darum, sich einfach klar darüber zu werden, was wir den ganzen Tag so treiben und denken, wie wir reden, wie wir reagieren. Es geht hier jetzt wirklich vor allem nur ums Beobachten, Beobachten, Beobachten. Keine Analyse, nur beobachten.


DG Ja, das ist ein guter Tipp. Aufschreiben empfehle ich auch gerne, überhaupt und ganz grundsätzlich aufschreiben. Wir vergessen so schnell, und verlieren den Überblick, auch bei ganz banalen Sachen wie dem Zusammenhang zwischen Nahrungsmittel und Befinden. Aufschreiben hilft!
Und dann? Also ich habe mir das angeschaut, vielleicht bestimmte Dinge erkannt, und was mache ich dann damit?

CC Da gibt's verschiedene Möglichkeiten. Entweder ich fange selbst damit an, in die Analyse zu gehen und versuche herauszufinden, warum ich mich so und so verhalte. Das machen tatsächlich auch viele Menschen, und kommen irgendwann an einen Punkt, wo sie sagen „Also wenn ich mich damit jetzt weiter beschäftige, dann komme ich nicht weiter. Es kommen Gefühle hoch, die will ich gar nicht spüren. Es kommen Erinnerungen hoch, mit denen ich mich auch nicht beschäftigen will...“, und dann schieben sie es beiseite, und oft ist das „Selbst-Projekt“ damit auch beendet. Spätestens an diesem Punkt, aber eigentlich schon vorher, also schon bevor der Rückzug kommt oder die Angst vor den Gefühlen, wäre definitiv ein sehr guter Zeitpunkt, sich Unterstützung zu holen.
Und ich sage ganz bewusst „Unterstützung“, und nicht „Hilfe“, denn es geht nicht darum, kranke Menschen zu heilen, sondern auf dem Weg unterstützend zu begleiten. Wie ein Trainer, der an der Seite steht und - wenn man vielleicht nicht mehr will oder kann, weil man sich erschöpft fühlt - sagt „Komm, das schaffen wir jetzt noch! Diesen einen Schritt, und wir sind da! Lass uns zusammen gehen!“. Also wirklich unterstützen, und nicht helfen.



Selbstwertgefühl stärken Unterstützung
Urheber: © crazymedia/123rf.com


DG Ja, Hilfe klingt so als hätte man es selbst nicht in der Hand oder als wäre man irgendwie unfähig...
Und wie ist es in deiner Arbeit, wie unterstützt du Menschen, Christina? Magst du das auch noch teilen?

CC Wie vorhin gesagt: Veränderung ist ein langer Prozess, und in meiner Arbeit begleite ich Menschen sechs Monate, also 24 Wochen. Und zwar jede Woche. Ich nehme sie auf dem Weg des Bewusstwerdens, der Achtsamkeit, des Erkennens und das Hinterfragens Woche für Woche an die Hand. Dabei folge ich meiner speziellen Methodik. Und neben meinen Tools, und den Methoden, die ich an die Hand gebe, ist es vor allen Dingen das da sein. Jede Woche, kontinuierlich da sein. Dadurch entsteht eine Verbindlichkeit. Das weiß jeder: das Dranbleiben ist immer das Problem. Der Alltag kommt dazwischen, das Leben kommt dazwischen, und selbst wenn man es wirklich will, manchmal geht es einfach nicht. Aber wenn dann jemand da ist, und du weißt du triffst die Person morgen, und sie wird dich nach Deinem Fortschritt fragen, dann setzt du dich halt noch mal hin und machst deine Aufgabe. Oft merkst du danach, dass es ja gar nicht so schlimm war, und dass es jetzt viel besser geht. Es geht wirklich vor allem um das da sein; ich bin da, die ganze Zeit, 24 Wochen, und das schafft Verbindlichkeit.


DG Das kann ich auch voll und ganz unterschreiben. In meiner Arbeit geht's auch viel darum, etwas ins Leben zu integrieren, und das geht nur über einen längeren Zeitraum, und einen begleiteten Zeitraum. Alleine schafft man es einfach oft nicht. Wir wissen viel, wir wissen was zu tun ist, aber alles Wissen hilft nichts, wenn ich es nicht umsetze! Und für die Umsetzung ist es eben gut sich Unterstützung zu holen. Das heißt du arbeitest eins zu eins mit Menschen, richtig?

CC Ja, ich arbeite nur eins zu eins. In den sechs Monaten entsteht einfach eine sehr enge Bindung zwischen meinen KundInnen und mir. Und diese enge Bindung erlaubt es auch wirklich an Schmerzpunkte zu gehen, Punkte, an die man sich nicht traut alleine hinzugehen. Und das schafft kein Gruppencall und keine Massenveranstaltung. Klar, bei sowas kann ich immer Impulse mitnehmen, und versuchen, das für mich zu implementieren. Aber der Mensch ist evolutionär ja nicht dafür gemacht, an Schmerzen zu gehen. Wir vermeiden Schmerzen. Weil Schmerzen in Richtung Tod gehen, und unangenehm sind, und wir wollen ja, dass es uns gut geht und nicht noch mehr Schmerz. Und da das so ist, hört man irgendwann auf, eigenständig in diesen Schmerzpunkt hineinzugehen. Und es ist es so wichtig, da rein zu gehen, weil wenn wir einmal drin sind, dann kommt dieser Aha-Moment, in dem alles klar wird. „Achso, und deswegen ist es so! Wow! Da habe ich so noch gar nicht drüber nachgedacht“. Von einer auf die andere Sekunde kommt dann manchmal diese Erleichterung, die Leichtigkeit, und deswegen ist mir eins zu eins ganz ganz wichtig!


DG Klar, wenn es dann um sehr persönliche Dinge geht, vielleicht eine krasse Kindheit, vielleicht auch traumatische Erlebnisse, das packe ich in der Regel nicht auf den Tisch im Gruppencall…
Danke, Christina.
Hast du abschließend noch ne Message für meine Leser?

CC Ja, das Leben ist leicht und schön!

Herzlichen Dank, Christina! Du sprichst mir aus dem Herzen :)
Weitere Infos über Christina und ihrer Arbeit findest Du unter www.christinachristiansen.de



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